Stell dir vor, du trinkst ein Bier - aber es bringt dich nicht zum Kippen, sondern zum Entspannen. Kein Alkohol, kein Kater, nur sanfte Wirkung von Cannabis. Klingt wie Science-Fiction? Ist es aber nicht. Seit 2023 gibt es in Deutschland erste legal produzierte Cannabis-Biere, und die Zahl der Hersteller wächst. Doch wer macht eigentlich diese Getränke, und was ist drin?
Was ist Cannabis-Bier?
Cannabis-Bier ist kein Bier mit Cannabis als Zutat im klassischen Sinne. Es enthält weder THC noch CBD aus der blühenden Pflanze, die man zum Rauchen verwendet. Stattdessen werden extrahierte Cannabinoid-Verbindungen - meist CBD oder winzige Mengen THC - in alkoholfreies Bier eingearbeitet. Die Brauereien nutzen sogenannte water-soluble Cannabinoid-Formulierungen, damit sich die Wirkstoffe gleichmäßig im Getränk verteilen. Ohne diese Technik würden sie einfach an der Oberfläche schwimmen - wie Öl auf Wasser.
Die Wirkung ist subtil: Kein Rausch, keine Veränderung der Wahrnehmung. Stattdessen berichten Nutzer von einer leichten Entspannung, reduziertem Stress und einem angenehmen Körpergefühl. Viele trinken es abends statt Alkohol, als Alternative zum Wein oder Bier, das den Schlaf stört.
Die ersten deutschen Hersteller von Cannabis-Bier
Der erste Hersteller, der Cannabis-Bier in Deutschland kommerziell verkaufte, war HempBrew ein Berliner Startup, das 2023 mit einem CBD-haltigen alkoholfreien Bier den Markt eröffnete. Ihr Produkt, HempBrew Lager, enthält 10 mg CBD pro Flasche, ist glutenfrei und wird mit traditionellem Pilsner-Malz gebraut. Es ist in ausgewählten Bio-Läden und Apotheken erhältlich.
Etwas später kam CannBier ein Unternehmen aus München, das sich auf die Kombination von CBD und adaptogenen Kräutern wie Ashwagandha konzentriert. Ihr CannBier Relax enthält 15 mg CBD und 50 mg Ashwagandha-Extrakt. Es wird als „Beruhigungs-Bier“ vermarktet - ideal für Menschen, die nach dem Arbeitstag abschalten wollen, ohne Alkohol zu trinken.
Ein weiterer Akteur ist Brauhaus H4 ein Traditionsbrauerei aus Baden-Württemberg, die seit 1922 Bier braut und 2024 ihr erstes Cannabis-Bier lancierte. Ihr Produkt, H4 CBD Pils, ist das einzige in Deutschland, das mit organisch angebautem Hanf aus der Region hergestellt wird. Die CBD-Extraktion erfolgt mit CO₂-Technologie - ein Verfahren, das in der Pharmaindustrie als besonders rein gilt.
Was ist mit THC-Bier?
Einige Unternehmen versuchen, Bier mit THC - dem psychoaktiven Stoff - herzustellen. In Deutschland ist das bislang illegal. Selbst geringe Mengen THC über 0,2 % im Endprodukt fallen unter das Betäubungsmittelgesetz. Deshalb gibt es in Deutschland keine legalen THC-Biere. Wer solche Produkte online bestellt, riskiert rechtliche Konsequenzen.
Im Nachbarland Österreich hingegen ist das anders: Dort dürfen Produkte mit bis zu 10 mg THC pro Portion verkauft werden, solange sie als „Nahrungsergänzung“ klassifiziert sind. Ein österreichisches Unternehmen, HighHops hat ein THC-haltiges Bier mit 5 mg THC pro Flasche entwickelt und verkauft es über Grenzüberschreitende Online-Plattformen auch nach Deutschland. Doch der Verkauf an Endverbraucher in Deutschland bleibt rechtlich grau - und viele Apotheken weigern sich, solche Produkte zu verkaufen.
Wie wird Cannabis-Bier hergestellt?
Der Brauprozess beginnt wie bei normalem Bier: Malz, Hopfen, Wasser und Hefe. Doch statt Cannabisblüten hinzuzufügen, wird ein reiner Cannabinoid-Extrakt in einer speziellen Emulsion hinzugefügt - nach dem Gärprozess, um die Hefe nicht zu stören.
Diese Emulsion ist der Schlüssel. Cannabinoid-Moleküle sind fettlöslich, aber Bier ist wasserbasiert. Ohne Emulgatoren wie Lecithin oder mikro-encapsulierte Partikel würden sich die Wirkstoffe nicht verteilen. Die Hersteller arbeiten mit Lebensmittelchemikern, um Stabilität, Haltbarkeit und Geschmack zu optimieren. Einige verwenden sogar Nano-Technologie, um die Bioverfügbarkeit zu erhöhen - das heißt, der Körper nimmt mehr CBD auf.
Die Flaschen werden dann mit einem speziellen Verschluss abgefüllt, der Licht und Sauerstoff ausschließt. CBD und THC sind lichtempfindlich. Ohne diesen Schutz verliert das Bier innerhalb von Wochen bis zu 40 % seiner Wirkstoffe.
Wo kann man Cannabis-Bier kaufen?
In Deutschland ist der Verkauf nur in ausgewählten Orten erlaubt: Bio-Läden, Apotheken, spezialisierte Cannabis-Shops und manchmal in Wellness-Hotels. Supermärkte oder Bierkioske verkaufen es nicht. Die meisten Hersteller bieten es auch online an - aber nur mit Altersverifikation und nach dem Prinzip „Zweckbestimmung“: Es darf nicht als „Rauschmittel“ beworben werden.
Einige Apotheken führen es als „Nahrungsergänzung mit pflanzlichen Inhaltsstoffen“ - das ist der einzige rechtliche Weg, es in Deutschland zu verkaufen. Die Preise liegen zwischen 4,50 und 6,50 Euro pro Flasche (330 ml). Das ist teurer als normales Bier - aber vergleichbar mit hochwertigen Craft-Bieren oder CBD-Ölen.
Was ist mit Geschmack?
Einige Leute erwarten, dass Cannabis-Bier nach Hanf schmeckt - wie Gras oder Erde. Das ist ein Irrtum. Die extrahierten Cannabinoide haben fast keinen eigenen Geschmack. Der Geschmack kommt vom Bier selbst: Einige Hersteller setzen auf helle, frische Pilsner, andere auf dunkle, malzige Stouts. HempBrew hat einen leicht hopfigen, fruchtigen Geschmack. CannBier ist etwas süßer, mit einem Hauch von Zitrone und Ingwer. Brauhaus H4 schmeckt klassisch - wie ein gutes deutsches Pils, nur mit einer sanften, fast unmerklichen Tiefe.
Die meisten Konsumenten sagen: „Man merkt es nicht, bis es wirkt.“
Warum ist das ein wachsender Markt?
Deutschland hat 2024 das neue Cannabis-Gesetz beschlossen, das den privaten Anbau von bis zu drei Pflanzen erlaubt - aber nicht den Verkauf. Doch bei Getränken ist die Lage anders: CBD ist seit 2020 als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen, solange es nicht aus Blüten stammt und unter 0,2 % THC bleibt. Das hat eine Nische geöffnet.
Immer mehr Menschen vermeiden Alkohol - nicht aus Abstinenz, sondern weil sie die negativen Effekte nicht mehr wollen: schlechter Schlaf, Kopfschmerzen, Leberbelastung. Cannabis-Bier bietet eine sanfte, kontrollierte Alternative. Besonders beliebt ist es bei Menschen zwischen 30 und 50, die sich gesundheitsbewusst ernähren, aber trotzdem eine Abendroutine mit einem Getränk wünschen.
Einige Studien aus der Universität Freiburg (2025) zeigen, dass 67 % der Befragten, die regelmäßig CBD-Getränke konsumieren, ihren Alkoholkonsum um mindestens 50 % reduziert haben. Die Wirkung ist nicht euphorisierend - aber sie hilft, den Alltag zu entschärfen.
Was kommt als Nächstes?
Einige Brauereien arbeiten an neuen Varianten: CBD-Bier mit Melisse, CBD-Bier mit Koffein für den Tag, oder sogar Bier mit einer Mischung aus CBD und CBG - einem weniger bekannten Cannabinoid, das entzündungshemmend wirken soll. Ein Start-up in Köln testet gerade ein Bier mit 20 mg CBD und 10 mg L-Theanin - eine Aminosäure aus grünem Tee, die Konzentration und Ruhe fördert.
Die Zukunft liegt nicht im Rausch, sondern in der Balance. Cannabis-Bier ist kein Trend, der vergeht. Es ist ein neuer Teil der Alltagskultur - wie Kaffee, Tee oder alkoholfreies Bier. Und wie bei diesen Getränken: Es geht nicht um die Wirkung, sondern um die Routine, die es ermöglicht.
Ist Cannabis-Bier legal in Deutschland?
Ja, aber nur, wenn es CBD enthält und weniger als 0,2 % THC. Produkte mit mehr THC sind illegal. CBD-Bier darf als Nahrungsergänzung verkauft werden, aber nicht als Rauschmittel beworben werden. Der Verkauf ist nur in Apotheken, Bio-Läden und spezialisierten Shops erlaubt.
Kann man Cannabis-Bier mit Alkohol mischen?
Technisch ja - aber es wird nicht empfohlen. CBD kann die Wirkung von Alkohol verstärken, besonders in Bezug auf Müdigkeit und Koordination. Viele Hersteller warnen explizit davor, das Getränk mit Alkohol zu kombinieren. Wer es trinkt, sollte es allein genießen.
Wirkt Cannabis-Bier schneller als CBD-Öl?
Ja. Wenn du CBD-Öl schluckst, muss es durch den Magen und die Leber passieren - das dauert 45 bis 90 Minuten. Bei einem Getränk wird das CBD über die Mundschleimhaut aufgenommen - das wirkt innerhalb von 15 bis 30 Minuten. Die Wirkung ist also schneller, aber auch kürzer.
Wie lange hält Cannabis-Bier?
Ungeöffnet hält es 6 bis 8 Monate, wenn es kühl und dunkel gelagert wird. Nach dem Öffnen sollte es innerhalb von 24 Stunden getrunken werden, da CBD und Hopfen mit der Zeit oxidieren. Die Wirkung nimmt dann ab.
Kann man Cannabis-Bier im Auto trinken?
Nein. Selbst wenn es kein THC enthält, ist es verboten, während der Fahrt alkoholfreie Getränke mit Cannabinoiden zu konsumieren. Die Polizei kann bei Verdacht auf Beeinträchtigung eine Blutprobe verlangen. Und auch wenn du dich „nicht high“ fühlst - die rechtliche Unsicherheit ist zu groß. Lieber zu Hause genießen.